Der Smart Home Experte. Wie erkennen Sie einen Profi?

Der Smart Home Experte. Wie erkennen Sie einen Profi?

Der Smart Home Experte. Wie erkennen Sie einen Profi?

Selbstfahrende und intelligente Elektroautos wie das Smart Car “Tesla” werden in den nächsten Jahren den Markt beherrschen. Der Wohnbau tut sich hier deutlich schwerer. Mit intelligenten Häusern kann das Leben erleichtert (z.B. werden Routineaufgaben übernommen), das Gebäude sicherer (z.B. täuscht das Haus Anwesenheit vor wenn niemand da ist) und das Leben länger und sicherer in den eigenen vier Wänden ermöglicht (z.B. durch Integration von Medizintechnik in die Gebäudetechnik) werden. Verbringt man doch den Großteil seiner Zeit mit seinem Haus (deutlich mehr, als im Auto), ist die Frage erlaubt, wieso zuerst die Autos intelligent werden, bevor die Häuser intelligent sind. Mögliche Antworten können lauten: Die Technik ist zu teuer, die Technik ist noch nicht so weit; ich weiß nicht was die Technik kann; es gibt keine Dienstleister, die ein Haus intelligent machen können.

Ein Versuch die Punkte zu beleuchten:

  1. Die Technik für ein Smart Home ist zu teuer.
    Ja, es kostet mehr Geld, als ein Haus, das mit einem Schalter ein Licht schaltet. Aber der Mehrwert ist auch deutlich höher.
  2. Die Technik für Smart Home ist noch nicht so weit
    Doch, mit der vorhandenen Technik können nahezu alle Anforderungen erfüllt werden. Vielleicht nicht mit einem System oder Hersteller, aber die Kombination unterschiedlicher Systeme und Hersteller bieten alle Freiheitsgrade.
  3. Ich weiß nicht, was die Technik kann
    Ja, das ist völlig richtig. Unserer Meinung nach, ist der Begriff Smart Home noch nicht ausreichend definiert und allgemeinbekannt. Smart Home ist ein Modebegriff, der von jedem Hersteller, Dienstleister oder Anwender unterschiedlich definiert wird

Ist Smarthome, wenn Amazon Echo eine Leuchte von Philips Hue an schaltet? Oder ist eine BUS-Technologie wie z.B. KNX in ein Haus einzubauen, Smart Home? In Autos oder Flugzeugen werden seit etlichen Jahren BUS-Technologien eingebaut und keiner redet hier von Smart Car oder Smartem Flugzeug. Erst mit Tesla (dem “Iphone” der Autos), wird der Begriff “Smart Car” wieder verwendet. Warum? Weil mit der BUS-Technik Anwendungen und Abläufe generiert werden, die Dinge dem Benutzer abnehmen und dadurch das Fahren vereinfachen. So z.B. das autonome Fahren oder die eigenständigen Bremsvorgänge bei Erkennen von Hindernissen. Es finden neben Steuerungen auch Regelungen statt.

Dies im Blick und dies transferiert zum Haus, kann ein mit BUS-Technologie ausgestattetes Haus nicht generell als Smart Home bezeichnet werden. Auch wenn man mit einem zentralen Schalter oder per Smartphone alle Rollläden herunter lassen kann, kann dies – im Vergleich zum Auto – nicht als Smart Home bezeichnet werden.

  1. Es gibt keine Dienstleister, die ein Haus intelligent machen können
    Im Gegensatz zum Automobil ist ein Haus viel individueller. Die wenigsten Häuser kommen “von der Stange”, wie es eben beim Auto der Fall ist. Die Häuser müssen individuell geplant und individuell smart auf die Bewohner gebaut werden. Dies erfordert Menschen mit spezieller Ausbildung. Und hier ist es völlig richtig: Es gibt zu wenige davon. Doch wer sind die Menschen, die für die Entwicklung eines individuellen Smart Home in Frage kommen?

Warum diese ausschweifende Fragestellung bei dem Thema “wer ist der richtige zur Errichtung eines Smart Homes”. Es wird derzeit diskutiert, ob es für Elektrofachbetriebe eine Zusatzqualifikation zum “Smart Home Experten” geben soll. Dieser Ansatz soll beleuchtet werden.

Was müssen die Aufgaben eines “Smart Home Experten” sein?

Um ein echtes Smart Home zu generieren, bedarf es einer Analyse der Bedürfnisse der Bewohner, um Vereinfachungen des individuellen Wohnens zu generieren. Die System- und Anwendungsvielfalt ist heute so enorm, dass man individuell auf die eigenen Anforderungen reduziert. Aus diesen Anforderungen muss das Smart Home geplant werden. Es muss programmiert (Visualisierung und logische Regelabläufe) und die Systeme vernetzt werden. Schließlich muss das System nachbetreut werden, da sich Anforderungen im laufe des Lebens ändern.

Wie findet man so einen Menschen? Ganz konkret ist die Frage, nach wem ich als Bauherr im Internet danach google?

Ein Vergleich des oben gesagten mit dem klassischen Hausbau: Will ich ein Haus bauen, dann rede ich den Architekten an. Dieser erfasst die Anforderungen der Bauherren und plant das Haus. Manche Architekten übernehmen zusätzlich die Bauleitung. Stichpunktartig aufgelistet und mit dem “Smart Home Experten” verglichen:

Architekt:

  • Anforderungen erfassen
  • Planen und Gestalten des Hauses
  • Bauleitung

Smart Home Experte:

  • Anforderungen erfassen
  • Planen der Infrastruktur und der “Intelligenz” für das SmartHome
  • Programmieren und visualisieren
  • Integrieren der Systeme selbst mit Partner aus Elektro- und IT-Technik
  • Kontinuierliche Nachbetreuung der Systeme

Wohl gemerkt, wir sprechen von echten Smart Homes, in denen – ähnlich eines Teslas – das Haus den Bewohner unterstützt, erleichtert und Aktionen selbständig ausführt.

Welche Ausbildung hat ein “Smart Home Experte”?

Es gibt Ansätze, einen “Smart Home Experten” in einer mehrtägigen / wöchigen Schulung auszubilden. Das ist hinsichtlich der Verantwortlichkeiten und der zu leistenden Punkte (auch im Vergleich zum Architekten) zu hinterfragen. Zum Vergleich: Ein Architekt erlernt in einem mehrjährigen Universitäts- oder Hochschulstudium das Planen einen Hauses. Es wäre aus unserer Sicht auch solch eine Ausbildung im Bereich Planung und Integration von Smart Homes dringend notwendig. Es braucht vielmehr einen “Allrounder” als einen Fachmann auf einem BUS-Gebiet.

Um die Diskussion der Ausbildung “Smart Home Experte” nochmal zu beleuchten: Wer soll diese Zusatzausbildung bekommen? Sind es Elektriker, welche schon eine BUS-Technologie wie KNX, LCN o.ä. anbieten? Zum allgemeinen Verständnis ist zunächst der Stellenwert von KNX, LCN, o.ä. im Smarthome zu klären.

Welche Techniken muss ein “Smart Home Experte” beherrschen?

Zweifellos ist eine Technik wie KNX, LCN o.ä. als größte und kostenenintensivste Technik an einem Gebäude zu betrachten. Mit BUS-Technik werden Sensoren und Aktoren für Beleuchtung, Beschattung und Raumtemperaturregelung miteinander verknüpft. Daneben gibt es jedoch weitere BUS-Technologien im Gebäude, die auf gleicher “Ebene” stehen wie diese. Technologien in einem Haus sind dann z.B.: KNX, enocean (Funktaster ohne und mit Batterie),  ekey Zutrittsystem, zigbee (Philips Hue, Energiemeter, …), z-wave (Funksteckdosen, Temperatursensoren auch als mesh-Netzwerk), BidCoS (Homematic-Komponenten), digitalstrom, LCN, bluetooth (frogblue) u.v.m. Viele weitere Systeme arbeiten mit LAN/WLAN (TCP-IP), wie SONOS, Saug- oder Mähroboter, Webcam, Türsprechanlage, FritzBox, … . Daneben wird immer häufiger die Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik mit in die Haussteuerung integriert. Diese nutzen oft die Standards wie BACnet, mbus, modbus.

Natürlich ist es so, dass fast jedes System ein Gateway / Bridge / Schnittstelle etc in ein anderes Systeme bieten, aber die Frage ist, welches System ist das “Mastersystem”, mit dem alle “spreche”, also miteinander interagieren können und damit Regelstecken bilden können. Betrachtet man die o.g. Komponenten alle nebeneinander, so stellt sich immer noch, bzw. immer mehr die Frage, wer diese “Zusatzausbildung” zum Smart Home Experte bekommen soll. In Frage kommt auch der Heizungsfachbetrieb, der ja mit der Heizungsanlage auch einen Großteil der Gebäudetechnik abdeckt. Aber wer kennst sich mit zigbee, z-wave, homematice etc. aus? Meist ist der Elektriker fit in KNX ODER LCN ODER Digitalstrom, aber die restlichen Komponenten werden selten betrachtet. Hier geht es nicht nur um die Integration, es sind auch alle System zu kennen und deren Vorzüge und Nachteile zu wissen.

Alle Systeme habe jedoch eine Gemeinsamkeit: Sie haben ein Gateway von ihrer “Sprache” (z.B. KNX) zu “IP”. D.h. bei allen Systemen ist der gemeinsame Sprachkanal das Netzwerk (TCP-IP). Da erlaubt man sich die Frage, ob nicht sogar Informatiker oder IT-Experte die richtigen wären, diese Zusatzausbildung “Smart Home Experte” zu bekommen.

Die Ausbildung und Qualifikation eines Smart Home Experten

Es stellt sich also die Frage, ob es nicht einen eigenen Ausbildungszweig oder Studium geben muss, welche die Aspekte Anforderungsanalyse (bei der Vielzahl an Systemen und unbegrenzten Möglichkeiten wichtiger denn je: sich auf das eigentlich wesentliche für den Bewohner zu konzentrieren), Planung, Programmierung, Integration, “Bauleitung der Technik” berücksichtigt? Im Gewerbebau gibt es hier das Studium der Versorgungstechnik, jedoch berücksichtig dieser zu wenig Aspekte im Wohnungsbau. Und zudem ist dieser Begriff nicht sexy genug. Es ist davon auszugehen, dass keiner, der ein Smarthome bauen lassen will nach “Versorgungstechnik” googelt. Ohnehin gibt es nur ein Bruchteil an Absolventen der Versorgungstechnik – auch nur für den gewerblichen Bereich.

Die Frage nach dem WAS ist, WER und WAS MACHT ein “Smart Home Experte” bleibt noch ungeklärt. Ob eine mehrwöchige Zusatzausbildung die Lösung ist? Oder ob die Ausbildung / Studium neutral – also unabhängig einer Technologie – als eigener Ausbildungsweg oder Studium mit eigenen Namen (ähnlich wie Architekt – nach dem alle googeln können) gelernt werden soll, ist zu bedenken.

Unserer Meinung nach ist dieses Gebiet – ganzheitlich betrachtet – zu umfangreich für eine mehrtägige Zusatzausbildung. Es erfordert viel Know-How in den Bereichen Requirements Engineering, Projektmanagement, Elektrotechnik, Systemüberblick sämtlicher Systeme, Programmierung von Regelung und Systemabläufen und Usability Engineering. Daher ist unserer Meinung nach mind. eine vollwertige 3-jährige Ausbildung einzuführen, noch besser ein eigener Studiengang der “Smarten Haustechnik” (oder andere sexy Namen) auf bundes- oder EU-Ebene zu entwickeln.

JAEGER Wohn- & Gebäudeintelligenz – wir sind die echten “Smart Home Experten“. Vertrauen Sie auf uns.